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Prinzipien psychischen Geschehens

11.06.2014 14:46:19
Aus: DIE EINHEIT DES MENSCHEN UND DIE VEREINHEITLICHUNG DER PSYCHOLOGIE: GRAND UNIFICATION PERSPECTIVE OF PSYCHOLOGY. (Umfangreiches unveröffentlichtes Manuskript 1987-2014).
Dr. Reinhard Munzert

Kap. 22. Zwölf Prinzipien psychischen Geschehens (Formatierungstest)

"Prinzipien wohnen zwar im Reiche der Gedanken, aber doch wurzeln sie im Leben"
Emanuel Lasker (1925/1977, S. 164), Philosoph und Schachweltmeister.

"The major task of science is the isolation of principles which shall be of as general validity as possible"
Clark L. Hull (1943, S. 381).


Aus den Erkenntnissen der Hauptströmungen der Psychologie, der Gehirn-, Chaos-und Komplexitätsforschung sowie der modernen Physik habe ich schließlich zwölf Prinzipien psychischen Geschehens abgeleitet. Mit Hilfe dieser Prinzipien sollen psychische Vorgänge allgemein charakterisiert und besser verstanden werden.

Charakteristiken und Prinzipien

Bei psychischen Phänomenen sind jeweils mehrere oder alle diese Prinzipen relevant bzw. am Werk. Es handelt sich dabei um umfassende Prinzipien und Charakteristiken, die den psychischen Phänomenen zugrundeliegen und ihnen gemeinsam sind. Sie sind in gewisser Hinsicht fundamental und übergeordnet zugleich. Meines Erachtens sind dies Prinzipien, die nicht lediglich vom Beobachter in das Geschehen hineininterpretiert werden, sondern tatsächlich zum Zustandekommen psychischer Phänomene beitragen bzw. diese beeinflussen (regieren/beherrschen); Grundprinzipien somit, welche der Beobachter entdecken kann, vorfindet oder herausfindet, aber wohl nicht erfindet (vgl. zu physikalischen Gesetzen Davies 1992, S. 81-83).

Statt von Prinzipien könnte man auch von Regelmäßigkeiten und ubiquitären Mustern psychischen Geschehens sprechen. Ich vermag zunächst folgende prinzipielle Charakteristiken zu erkennen: Grundlegende Einheit und gemeinsame Basis psychischer Phänomene, Komplexität, Selbstorganisation, Emergenz, Interaktivität, Dynamik, Entwicklung, Vielfalt, Variabilität, Polarität, Überlagerung, Unschärfe, Prozeß- und Strukturverschmelzung, psychischer Energieverbrauch, multiple Aktivierung, Transformation, Kontextsensitivität, partielle Kontextabhängigkeit, Subjektivität, psychische Relativität und schließlich psychische Unbestimmtheit.
Da diese charakterisierenden Regelmäßigkeiten mehr oder weniger zusammenhängen und -wirken, will ich sie in Form von zwölf Prinzipien festhalten:

1. Das Prinzip der zugrundeliegenden Einheit und gemeinsamen Basis psychischer Phänomene

2. Das Prinzip der Komplexität und Emergenz psychischen Geschehens

3. Prinzip: Interaktivität und Dynamik psychischer Prozesse

4. Prinzip: Selbstorganisation und Entwicklung

5. Prinzip: Vielfalt, Variabilität und Polarität psychischer Vorgänge und Zustände

6. Prinzip: Überlagerung, gegenseitiges Durchdringen und fließende Übergänge psychischer Prozesse und Zustände

7. Prinzip: Unschärfe psychischer Phänomene; Prozeß- und Strukturverschmelzung

8. Prinzip: Verbrauch psychischer Energie

9. Prinzip: Multiple Aktivierung und Transformation psychischer Vorgänge

10. Prinzip: Adaptivität, Kontextsensitivität und partielle Kontextabhängigkeit psychischer Aktivität (Prinzip der adaptiv-verändernden Interaktion)

11. Prinzip: Subjektivität und psychische Relativität

12. Prinzip: Psychische Unbestimmtheit

Übergeordnetes Prinzip der Ganzheitlichkeit und multiplen Verknüpfung psychischen Geschehens (Prinzip des ganzheitlichen Zusammenwirkens)

Im folgenden seien die Prinzipien näher dargestellt:

1. Das Prinzip der zugrundeliegenden Einheit und gemeinsamen Basis psychischer Phänomene

Der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen oder anders formuliert ein integriertes System. Psychische Phänomene beruhen auf einer einzigen (ihnen) zu Grunde liegenden strukturellen und funktionalen Einheit. Bewußtes und Unbewußtes, Kognition, Emotion, Motivation, Verhalten und Handeln sind verschiedene Manifestationen einer gemeinsamen psychischen Basis.

Die große Verknüpfung psychischer Prozesse und Strukturen ist der Evolution im bzw. mit dem Menschen bisher schlecht und recht gelungen. Jedenfalls ist der Mensch bislang der komplexeste Versuch der Natur - zumindest in unserem winzigen Teil des Kosmos -, jene psychischen Vorgänge, Zustände und Teilsysteme in einem integrierten Ganzen zu verbinden. Die psychische Einheit des Menschen wird durch die Verbindungen zwischen den Teilsystemen aufrechterhalten und verfestigt.

Den Menschen kennzeichnet keine undifferenzierte, sondern eine vielgestaltige Einheit. Gleichwohl sind die verschiedenen Zustandsformen und Verhaltensweisen des Menschen Facetten einer fundamentalen untrennbaren Einheit. Der Mensch stellt also eine "Einheit hinter und über den Gegensätzen" dar, wenn ich eine Formulierung von H. Hesse (1988; S. 15) aufgreifen darf (vgl. Kap. der vorliegenden Arbeit) oder kann als "auf wunderbare Weise einfach und vielfach zugleich" bezeichnet werden, wie dies Augustinus (ca. 400 n. Chr./1992, S. 374) - allerdings in Hinblick auf Gott - tat. Es existiert eine grundlegende Einheit in der Vielfalt psychischer Vorgänge und Zustände, eine gemeinsame Basis aller psychischen Erscheinungen.

2. Das Prinzip der Komplexität und Emergenz psychischen Geschehens
Die komplexe (hierarchische) Architektur des psychischen Systems; verborgene Einfachheit; Übergang vom Einfachen zum Komplexen; emergente Phänomene

Der Mensch - insbesondere sein Gehirn und Nervensystem - besitzt eine komplizierte, vielfach verflochtene Struktur. Es ist angemessen den Menschen als komplexes System aus Komponenten oder Subsystemen zu betrachten, die sich ergänzen und mehr oder weniger synergetisch zusammenarbeiten. Die komplexe psychische Architektur beinhaltet einen Aufbau mit verschiedenen Funktions- bzw. Beschreibungsebenen. Jede Ebene zeigt bereits für sich allein betrachtet eine bestimmte Komplexität (was ich "horizontale Komplexität" nennen möchte). Von den elementaren Vorgängen bis zu den höheren psychischen Prozessen ergibt sich eine (hierarchische) Ordnung mit ständig zunehmender Komplexität ("vertikale Komplexität" ).

Man kann u.a. zwischen kognitiver bzw. symbolischer und mikrokognitiver oder subsymbolischer Ebene und Prozessierung unterscheiden (vgl. Kap. ). Eine tiefere Erklärungs- und Beschreibungsebene stellt die anatomisch-physiologische dar. [Die wichtigste psychologische Beschreibungs- bzw. Funktionsebene des integrierten psychischen Systems sehe ich in den Prozessen und Strukturen (SONDZEICHEN 64 \f "Symbol" ProStructures; vgl. Prinzip 7) psycho-neuronaler Systeme (auf die in Kap. eingegangen wird).]

In gewisser Hinsicht besteht neben der Komplexität des psychischen Systems gleichzeitig eine relative Einfachheit auf den fundamentalen Ebenen des Nervensystems. Die vielfältigen Erscheinungsweisen psychischen Geschehens imponieren zwar als komplex, beruhen aber zum Teil auf einer verborgenen Einfachheit und Ordnung. Das psychische System basiert auch auf "einfachen" aktivierenden (bahnenden) und hemmenden Vorgängen in Nervenzellen und in ihren Verbindungen. Ein zur Komplexität komplementäres Prinzip (der verborgenen Einfachheit) besteht m. E. darin, daß aufgrund eines Minimums an elementaren Vorgängen (zum Beispiel Aktivierung und Hemmung bzw. Nicht-Aktivierung) sowie einer Vielzahl an Komponenten ein Maximum an Verknüpfungen und Möglichkeiten gegeben ist.

Ein System, welches auf einfachen Elementen und deren Kombinationen beruht, kann demnach vielfältige Effekte erzeugen (elementare Aktivitäten und Verknüpfungen führen zu komplexeren Aktivitätsmustern und Produkten.) Aus grundlegenderen Entitäten entstehen emergente Phänomene (auf höheren Organisationsebenen). Auf jedem Komplexitätsniveau erscheinen neue Strukturen und Abläufe mit zusätzlichen Systemeigenschaften. Manche emergenten Phänomene können wiederum auf ihre untergeordneten Elemente (Fundamente) zurückwirken, was ich "emergentes Feedback" nennen möchte.

Allgemein scheinen aus dem Zusammenspiel einer großen Zahl (einfacher) Elemente komplexere Strukturen und Prozesse mit emergenten Eigenschaften zu erwachsen. Hierdurch findet ein Übergang vom Einfachen zum Komplexen statt. Gut läßt sich dies an Neuronen und neuronalen Netzen aufzeigen; auch der Computer bietet hierfür ein Beispiel. (Aus einer anderer Perspektive betrachtet, stellen Bahnung und Hemmung von Erregung im Nervensystem freilich selbst ihrerseits komplexe Vorgänge dar; vgl. Changeux 1994.)

Auch psychische Phänomene sind emergente Erscheinungen, die auf den Strukturen und Prozessen des Nerven- und Hormonsystems - insbesondere des Gehirns - basieren. Ich habe keine Zweifel, daß psychische Prozesse auf anatomischen Strukturen und physiologischen Vorgängen beruhen, letztlich sogar auf Quantenphänomenen (Fluktuationen und Resonanzen, vgl. Kap. ). Auf der Grundlage (hierarchisch) tieferer Prozesse (Neuronenaktivierung) entstehen weitere Komponenten des Systems mit neuen Eigenschaften, Zuständen, Aktivitätsmustern und Produkten (z.B. Gedanken, mentale Symbole, Vorstellungen oder Gefühle), welche ihrerseits wiederum auf fundamentalere Vorgänge einwirken können. Bewußtsein, Selbstbeobachtungsfähigkeit, Intelligenz, Kreativität, Handlungskompetenz usw. können in diesem Kontext als emergente Systemeigenschaften bzw. -kapazitäten verstanden werden.

Der Reduktionismus ist nicht falsch, sondern unvollständig. Er muß durch Prinzipien der Komplexität, Interaktivität, Dynamik, Selbstorganisation usw. ergänzt werden (siehe die folgenden Prinzipien)!

3. Prinzip: Interaktivität und Dynamik psychischer Prozesse
Wechselwirkung aller Basismechanismen, Subsysteme und Ebenen; dynamisches Mit- und Gegeneinander verschiedener Prozesse; gemeinsame Wirksamkeit

Psychisches Geschehen findet im Menschen auf mehreren verbundenen Ebenen bzw. in mehreren Subsystemen statt. Im integrierten psychischen System (IPS) besteht eine prinzipielle Vernetzung, ein vielfältiges Ineinandergreifen und Zusammenwirken von psychischen Strukturen, Prozessen, Teilsystemen sowie Grundmechanismen; es herrscht Aktivität auf allen Ebenen (von der neuronalen Aktivität bis zur komplexen Handlungssteuerung und -ausführung). Viele psychischen Inhalte werden mehrfach verarbeitet und/oder repräsentiert: z. B. unbewußt und bewußt, sprachlich und nichtsprachlich (bildhaft). Verschiedene Prozesse laufen gleichzeitig ab und beeinflussen sich wechselseitig.

Bei der menschlichen Informationsverarbeitung und psychischen Vorgängen überhaupt liegt ein gegenseitiges Einwirken von höheren und tieferen Ebenen vor ("interactive processing"winking smiley. Im Gehirn des Menschen findet alles gleichzeitig statt: top-down, bottom-up, parallele, sequentielle und interaktive Verarbeitung (mit wechselnder Dominanz). Ich habe zur Beschreibung dieses Sachverhalts die Bezeichnung "Integrierte parallel-sequentielle-interaktive Verarbeitung" (IPSI-Processing) vorgeschlagen (siehe Kap. xy). Meines Erachtens besteht kein Zweifel, daß im Kopf eines Menschen alles tatsächlich "integrativ-parallel-sequentiell- interaktiv" zusammenwirkt. Interaktivität ist hier also im Sinne eines Zusammenspiels innerhalb - der verschiedenen Komponenten - eines vielfältig verflochtenen Systems zu verstehen.

(Außerdem besteht selbstverständlich eine Interaktion von innen und außen. Eine Wechselwirkung des Menschen mit äußeren Gegebenheiten: der Situation, anderen Menschen, der Umwelt, gesellschaftlichen sowie kulturellen Einflüssen, dem Zeitgeist usw.; siehe dazu Prinzip 10. - Wenn man aus zwei Prinzipien ein neues konzipieren möchte, kann hier vom "Prinzip der internen und externen Interaktivität" gesprochen werden.)

Das Interagieren von Komponenten und Subsystemen stellt auf unterer Ebene ein dynamisches Mit- und Gegeneinander von Neuronenverbänden dar. Neuronengruppen und ganze Subsysteme können miteinander in Konkurrenz treten und sich "in Konflikt" befinden. Hierbei entsteht mannigfache psychische Dynamik (auch im Sinne der non-linearen Dynamik bzw. Chaostheorie; vgl. Kap. ). So gibt es Konkurrenz unter Motiven, z. B. zwischen vernünftigem oder schädlichem aber lustvollem Verhalten. Insofern ist der Mensch also auch eine konfliktreiche Einheit. Deshalb muß das ganze System dafür sorgen, daß es nicht zu Eskalation, Störungen und Systemzusammenbrüchen kommt. (Sollte sich der Leser hier an Ideen aus der Psychoanalyse, insbesondere Freuds Strukturmodell der Psyche [vgl. Kap. ], erinnert fühlen, ist dies durchaus naheliegend.)

Es verlangt flexible, einheitliche Strukturen, damit das Individuum nicht im Chaos der Gegensätze zerrissen oder zerrieben wird. Allerdings kann ein dominanter Zustand (starker Faktor) - beispielsweise bestimmte Bedürfnisse oder Emotionen - zeitweilig vorherrschen. Die Subsysteme erfordern und bedingen sich wechselseitig, überlagern sich, ergänzen sich oder schließen sich gegenseitig ein und stören sich zuweilen. Aus der synergetischen und antagonistischen Interaktion der Komponenten und Subsysteme erwächst schließlich eine gemeinsame Wirksamkeit des psychischen Systems. Die menschliche Sprache ist wohl noch nicht in der Lage dies so differenziert auszudrücken, wie es in uns realisiert ist; konventionelle Erkenntnise und Beschreibungsweisen - wie "das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" - reichen hierzu nicht aus.

4. Prinzip: Selbstorganisation und Entwicklung
Entstehung aus sich selbst heraus; unbewußte Selbstorganisation, Selbststeuerung; Wirkung auf sich selbst

Viele natürliche Systeme realisieren ein Prinzip, welches als Selbstorganisation bezeichnet wird (vgl. Kap. ), sie entstehen (teilweise) aus sich selbst heraus und wirken auf sich selbst ein. Auch Menschen sind sich selbst organisierende Wesen. Dies bedeutet zunächst, daß im Verlauf der Entwicklung eines Individuums (sowie seiner Art) aus einfachen Elementen differenziertere Strukturen und effektivere Verhaltensweisen hervorgehen. Hierbei spielen selbststeuernde Mechanismen und "Selektion" bester oder geeigneter Entwicklungsmöglichkeiten bekanntlich eine wichtige Rolle. "Am Ende des Prozesses kann eine globale Ordnung stehen, auch wenn keines der Bauteile vorher von deren Vorteilen 'gewußt' hat" (Geo-Wissen 1990, S. 188).

Der Mensch organisiert sich selbst in mancherlei Hinsicht. Bei seiner Entwicklung wirken genetisch programmierte und erfahrungsabhängige Faktoren zusammen. Die Veränderung eines Systems durch Lernen ist eine wesentliche Form der Selbstorganisation. Ebenso tragen Feedbackmechanismen zur Organisation komplexer Systeme bei (vgl. Kap. ). Singer (1989, S. 174) bezeichnet das Gehirn als "self-organizing learning system".

Menschen können auch selbst-organisatorisch Aufmerksamkeit und/oder Energie in bestimmte Bereiche lenken (Interessen, Absichten, Aufgaben, Probleme) oder von diesen abziehen. Der Mensch besitzt zahlreiche Möglichkeiten, gezielt auf sich selbst einzuwirken. Man kann aktiv bestimmte Situationen aufsuchen und sich speziellen Einflüssen und Erfahrungen aussetzen und absichtlich in einen bestimmten Zustand versetzen (lassen). Eine höhere Form der Selbstorganisation stellen existentielle Entscheidungen und langfristige Pläne dar. Beispielsweise beeinflußt die Berufswahl einer Person auch die zukünftige Organisation ihrer Existenz, ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und ihres Körpers. Dies gehört meines Erachtens zu den Besonderheiten der Selbststeuerung und Weiterentwicklung des Menschen.

Zur Selbstorganisation ist nicht notwendigerweise Bewußtsein erforderlich. Auch beim Menschen tragen unbewußte Prozesse zur internen Organisation bei. Hierzu bietet das Gehirn bzw. seine Neuronen und ihre Verschaltungen wieder ein gutes Beispiel (vgl. Kap. xy). Das Konzept der Selbstorganisation beinhaltet außerdem die Möglichkeit unbewußter Motivation und Informationsverarbeitung. Selbstorganisierende Mechanismen beim Menschen enthalten also sowohl bewußte als auch unbewußte Vorgänge. Auf einer bestimmten Ebene des psychischen Systems entstehen Bewußtsein und bewußte Selbststeuerung (bewußtes psycho-neuronales System?).

Leider gibt es auch ungünstige "schlechte" Einwirkungen des Menschen auf sich selbst. Beispiele sind zerstörerische Süchte. Der Begriff "Selbstorganisation" impliziert jedoch weniger das negative, schädliche Einwirken des Menschen auf sich selbst. Ich möchte deshalb entsprechende Phänomene in Anlehnung an Konzepte der Physik (vgl. Kap. ) als "Wirkung auf sich selbst" bezeichnen.

Selbstorganisation und Emergenz hängen zusammen. Durch die Struktur und "Existenz", die sich das Ganze selbst gibt, entstehen immer wieder neue (System-) Eigenschaften und Fähigkeiten (selbstorganisierte Komplexität; vgl. Prinzip 2), beim Menschen beispielsweise Intuition und das Streben nach Selbstverwirklichung. Aus Selbstorganisation und emergenten Phänomenen erwachsen onto- und phylogenetische (Weiter-)Entwicklungen, welche relativ stabil sein können. Aber auch zu sehr schnellen Zustandsänderungen ist der Mensch in der Lage, wie das nächste Prinzip festhält.

5. Prinzip: Vielfalt, Variabilität und Polarität psychischer Vorgänge und Zustände - Flexibilität und Veränderung (Instabilität) psychischen Geschehens

Selbstorganisation und Dynamik ermöglichen Plastizität und rasche Veränderungen psychischen Geschehens. Bereits ein einfaches System, erst recht jedoch ein komplexes Lebewesen wie der Mensch, kann vielfältige Zustände einnehmen und zahllose Verhaltensweisen und Effekte erzeugen. Aufgrund seiner Komplexität, Flexibilität und Dynamik existiert der Mensch als vielgestaltige, facettenreiche und variable Einheit, die auch Gegensätze (z. B. rationales und irrationales Verhalten) und Ambivalenzen (Liebe und Haß gegenüber einer Person) beinhaltet. Im Menschen schließen sich also extreme Erlebens- und Verhaltensweisen (Polaritäten) keineswegs aus. Vielmehr ist eine Vereinigung der Extreme und scheinbaren Gegensätze realisiert. So exkludieren sich beispielsweise "trieb-" und kognitionsgesteuert nicht; angeregt durch "Trieb"impulse kann eine (rationale) Auswahl geeigneter Verhaltensweisen erfolgen.

Polaritäten und scheinbare Widersprüche gehören zu den vielen Seiten einer einzigen Identität des Menschen. Dieser stellt ein sich (ständig) veränderndes, teil- und zeitweise widerspruchsvolles System dar (vgl. Instabilität in der Chaostheorie, Kap. xy). Hier kann durchaus - zur kurzen zusammenfassenden Skizzierung - auf die Formulierungen "Vielfalt in der Einheit" und "Einheit in der Vielfalt" zurückgegriffen werden (vgl. Prinzip 1). Ein menschliches Wesen zeigt also Vielgestaltigkeit, (mitunter rasch) wechselnde Systemzustände bzw. kurz- und langfristige Variabilität.

6. Prinzip: Überlagerung, gegenseitiges Durchdringen und fließende Übergänge psychischer Prozesse und Zustände

Psychische Prozesse, Strukturen und Phänomene durchdringen einander. Psychische Phänomene bestehen aus einem vielschichtigen Gewebe aus Bewußtem und Unbewußtem, Rationalem und Irrationalem, inneren Verarbeitungsprozessen und externen Handlungsanteilen. Alles überlagert sich oder ist ineinander eingebettet. Die herkömmlichen Unterscheidungen beispielsweise zwischen "Kognition" und "Emotion", "bewußt" und "unbewußt" oder "Intelligenz" und "Kreativität" sind eher Ausdruck einer sprachlichen Differenzierung als Abbildung einer tatsächlichen klaren Trennung zwischen diesen psychischen Erscheinungen! Um dies zu betonen, sei die Verquickung von Emotion und Motivation als "Emotivation" bezeichnet; /damit der fließende Übergang von Kognition und Motivation und/oder deren ineinander Eingebettetsein hervorgehoben wird, möchte ich diese Konzepte ebenfalls begrifflich zusammenfließen lassen zu "KogMotion". Kognition ist in der Emotion enthalten und umgekehrt, diese Verbindung sei "EmoKognition" genannt./ Selbstverständlich durchdringen auch das kognitive System und das Handlungssystem einander und arbeiten zusammen.

7. Prinzip: Unschärfe psychischer Phänomene - Prozeß- und Strukturverschmelzung - Prinzip der psychologischen Unschärfe psychischer Vorgänge und Zustände

Aus der vielfältigen Verflochtenheit und Überlagerung psychischer Phänomene und ihrer anatomisch-physiologischen Bedingungen resultiert eine prinzipielle Unschärfe ihrer Beschreibung - ähnlich wie in der Physik (vgl. Kap. ). Es gibt nicht nur Unschärfe bei psychischen Prozessen, sondern folgerichtig auch Unschärfe bei psychologischen Konzepten. Ist beispielsweise Selbstvertrauen eine Kognition, eine Emotion, eine KogMotion oder alles zugleich? Einstein empfahl einmal, man solle die Wirklichkeit so genau wie möglich beschreiben, aber auch nicht genauer, als sie tatsächlich sei! Mit den expliziten Unterscheidungen zwischen Kognition, Emotion, Motivation usw. versuchen Psychologen womöglich genauer zu sein als es der psychischen Realität angemessen ist. Angesichts der ganzheitlichen Arbeitsweise des Gehirns, scheint dies nur eine (nützliche?) Fiktion zu sein! Aufgrund von Verknüpfungen und Überlagerungen sowie raschen Transformationen entsteht - jedenfalls nach meinem Dafürhalten - psychologische Unschärfe bei der Unterscheidung von Strukturen und Prozessen, Zuständen und Verläufen, Innen und Außen usw.

Prozeß- und Strukturverschmelzung (ProStructures)

Aus der gegenseitigen Durchdringung (6. Prinzip) und Unschärfe psychischer Prozesse kann sogar ein Verzicht auf die Unterscheidung von Strukturen und Prozessen abgeleitet werden. So scheint in neuronalen Netzen und im Gehirn überhaupt eine Verschmelzung von Strukturen und Prozessen gegeben zu sein, eine strukturell-funktionale Verknüpftheit von Architektur und Funktion. Um diesen Zusammenhang (Verschmelzung von Struktur und Prozeß) auch terminologisch darzustellen, habe ich die Formulierung "ProStructure(s)" gewählt; eine Zusammensetzung aus "Process" und "Structure"; (ich gebrauche englische Begriffe, weil mir diese hier besser geeignet bzw. griffiger erscheinen). Das entsprechende Adjektiv sei "prostructiv(e)".

Process(es)
> ProStructure(s)
Structure(s)

Die Verschmelzung von Struktur, Prozeß und Zustand

Auch eine Verquickung von Prozeß und Zustand sei postuliert. Insbesondere hinsichtlich des menschlichen Bewußtseins scheint eine Trennung in Struktur, Prozeß und Zustand künstlich. Bewußtsein ist Struktur, Prozeß und Zustand in einem.
Allgemein meine ich behaupten zu können, daß im psychischen System Struktur, Prozeß, Funktion und Verursachung/Kausalität untrennbar verwoben sind.

8. Prinzip: Verbrauch psychischer Energie

Der Mensch ist nicht nur ein informationsverarbeitendes System, sondern auch ein Wesen, das Energie erzeugt und verbraucht. Psychische Prozesse benötigen Energie. Neben Speicherung von Information und Erfahrung (Wissen) gibt es auch Speicherung von Energie im Menschen. Bekanntlich braucht das Gehirn enorme Mengen Traubenzucker (Glucose). Aus chemischen bzw. physiologischen Substanzen und Vorgängen (Adenosintriphosphat, ATP) entwickelt sich in den ProStructures des Nervensystems (psychische) Energie. Energie hat wie Information m. E. eine psychische Variante. Ich vermute, daß allgemeine (unspezifische) und spezifische Energiedepots im Nervensystem vorhanden sind (mentale Energiedepots), welche durch Information, Kognition, Emotion bzw. KogMotion, Emotivation und EmoKognition mobilisiert werden können. Überdies vermag das psychische System Energie auf bestimmte Bereiche und Aktivitäten zu lenken (vgl. Prinzip 4).

Handlungen laufen nicht nur kognitions- bzw. informationsgesteuert ab, sondern werden auch mit (mentaler) Energie versorgt. Dabei stellen u.a. Motive und Emotionen (Emotivation) energetische Komponenten von Aktivitäten dar. (In der gegenwärtigen Psychologie besteht zweifellos eine Vernachlässigung der Energiefrage.)

9. Prinzip: Multiple Aktivierung und Transformation psychischer Vorgänge

Im integrierten psychischen System finden ständig Aktivierungen (Auslösungen) und Umwandlungen statt, beispielsweise löst Kognition Aktivität aus. Der Mensch wandelt auch Information in Energie/Aktivität um. Aktivität führt wiederum zu neuen Informationen und Kognitionen. Es existieren multiple Auslösungs- bzw. Aktivierungswege. Insbesondere in Gehirn und Nervensystem wird Energie in Information bzw. Kognition umgesetzt vice versa. Information kann ebenso Emotion, Motivation bzw. Emotivation oder Aktivität auslösen. Auch Emotionen und bewußte Motive aktivieren den Menschen wiederum, zugleich informieren sie ihn über den eigenen Zustand. Es findet also eine Energetisierung (man erlaube mir diese sprachliche Variante?) durch Information, Kognition, Emotion und Motive (Bedürfnisse, Wünsche, Absichten) statt.

Psychische Vorgänge fließen, metaphorisch gesprochen, ununterbrochen und verändern sich ständig. Insgesamt bestehen zahlreiche Umwandlungsmöglichkeiten und sogar zyklische Transformationen; im folgenden vereinfacht schematisch dargestellt:

Information/Kognition SONDZEICHEN 171 \f "Symbol" Energie/Aktivität
[Umwandlung von Information & Kognition in Energie & Aktivität vice versa]

Information + Energie SONDZEICHEN 174 \f "Symbol" Kognition + Handlung

10. Prinzip: Adaptivität, Kontextsensitivität und partielle Kontextabhängigkeit psychischer Aktivität (Prinzip der adaptiv-verändernden Interaktion) - Gestaltung und Kontrolle der Umwelt

Menschen werden durch äußere Umstände (vor allem andere Personen, materielle Gegebenheiten, physikalische Kräfte, Reize bzw. Informationen) beeinflußt. Gleichzeitig trägt der Mensch durch aktives Handeln zur Aufrechterhaltung und Veränderung der Umgebung bei. Wir sind empfänglich und empfindsam (sensitiv) für äußere Reize. In vielen Situationen ist es - zur Verwirklichung von Absichten usw. - entscheidend, wesentliche Reize/Informationen adäquat zu erfassen, effektiv zu verarbeiten und sinnvoll zu verwerten oder anders formuliert, den Anforderungen des Situationskontextes gerecht zu werden (Kontextsensitivität). Menschen können sich - innerhalb einer gewissen Bandbreite - an die Bedingungen (lebensweltlicher) Kontexte adaptieren. Oft kommt es für den Akteur darauf an, die situativen Bedingungen und Erfordernisse mit den eigenen Zielen und Bedürfnissen zu verknüpfen. Es handelt sich dabei um die schwierige Aufgabe, sich an die Umwelt anzupassen und diese gleichzeitig in entscheidenden Aspekten zu kontrollieren und zu verändern (adaptiv-verändernde Interaktion).

Wir passen uns also nicht nur äußeren Verhältnissen an, sondern versuchen, den jeweiligen Erlebnis- und Handlungskontext günstig zu gestalten (Gestaltung und Kontrolle der Umwelt). Dies hat meist eine zielgerichtete Veränderung zur Folge, die auf den Menschen zurückwirkt. Dieser muß ein geeignetes Verhältnis von Anpassung an die Umwelt (und deshalb eventueller Veränderung von sich selbst) und Veränderung der Umgebung finden, um zufriedenstellend leben und überleben zu können. Bekanntlich verursachen Menschen durch ihr Tun auch schädliche Rückwirkungen auf sich selbst oder spätere Generationen.

Es ist nicht zu leugnen, daß wir Menschen uns dem Einfluß von vielen Situationen kaum entziehen können (partielle Kontextabhängigkeit), falls wir diese nicht von vorneherein vermieden haben; ein extremes Beispiel ist der Stau auf der Autobahn. Bereits in der Bibel findet sich die Aussage, "daß (beim Gelingen) alles auf Zeit und Umstände ankommt" (Prediger 9, 11). Oder wie Prutzkow erklärt (nach Dworetzki 1994, S. 139): "Schaden oder Nutzen einer Handlung sind bedingt durch die obwaltenden Umstände".

Der Mensch ist also ein adaptiv-veränderndes System, das kontextsensitiv von Umwelteinflüssen mitbeeinflußt wird und diese wiederum selbst aktiv verändert.

11. Prinzip: Subjektivität und psychische Relativität

Alles psychische Geschehen ist subjektiv und läßt sich nicht (vollständig) mit Kategorien der klassischen Physik oder anderer Naturwissenschaften beschreiben. Jeder Mensch befindet sich (zum Teil) in seiner eigenen "Welt" und "Zeit" bzw. in einem sich ständig verändernden psychischen Zustandsraum, in dem innere und äußere Einflüsse interagieren, subjektiv verarbeitet werden und Bedeutung erlangen (subjektive Sicht- und Erlebensweise allen Geschehens). Die selben Ereignisse werden von verschiedenen Menschen nicht gleich (absolut), sondern mehr oder weniger unterschiedlich erlebt und interpretiert.

Überdies ist der psychische Zustand eines Menschen teilweise unabhängig vom Hier und Jetzt der augenblicklichen Situation bzw. Lage: Relativität des Einflusses von aktuellem Ort und gegenwärtiger Zeit (situative Relativität). Das Erleben von Raum, Zeit und Ereignissen findet in einem jeweils individuellen, subjektiv-relativen Bezugssystem (individuelles Raum-Zeit-Zustandsgefüge) statt. Das Prinzip der psychischen Relativität (subjektive Dimensionierung von Ereignissen und Zuständen) zeigt sich in mehreren Varianten:

1. Bedeutungsrelativität
Ereignisse erlangen ihre (psychische) Bedeutung nicht absolut, sondern jeweils in Relation zu bzw. Abhängigkeit von einem subjektiven Bezugssystem (subjektive Interpretation des eigenen Zustands und der Situation).

2. Zeitliche Relativität
Eine andere Form von psychischer Relativität besteht darin, daß ein Mensch in zeitlicher Hinsicht nicht (nur) in der "objektiven" chronologischen Zeit lebt (gegenwartsbezogen), sondern auch in Vergangenheit und Zukunft. Bei Augustinus habe ich dafür die Formulierung gefunden: "Das Künftige erwartend, auf das Gegenwärtige achtend, des Vergangenen sich erinnernd" (ca. 400 n. Chr./1992, S. 328). Vergangene, aktuelle und zukünftige Ereignisse wirken sich oft gemeinsam auf psychischen Zustand und Handeln aus. Bekannt ist ein weiteres Phänomen der Relativierung von Zeit: Stunden können wie im Flug vergehen und Sekunden zu einer "Ewigkeit" werden.

3. Räumliche Relativität
Räumlich weit entfernte Ereignisse, Personen und Objekte können den augenblicklichen Zustand eines Menschen beeinflussen (z.B. durch Informationen, Erinnerungen, Pläne).

4. Relativität des psychischen Raum-Zeit-Zustands-Gefüges (Verknüpfte Relativität von räumlich-zeitlichen und psychischen Geschehnissen)
Subjektiv-relativierte Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft werden miteinander wirksam und beeinflussen sich in der individuellen Verarbeitung der jeweiligen Person wechselseitig (wie bei Selbstwechselwirkung in der Physik, vgl. Kap. ). So besitzt Vergangenes Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Oft erwächst aus der Gegenwart andererseits eine neue Sichtweise von Vergangenheit oder Zukunft. Schließlich beeinflußt die subjektive Zukunft wiederum die Interpretation von Gegenwart und Vergangenheit. Ebenso können räumlich entfernte Geschehnisse (z.B. über entsprechende Informationen) - eventuell in Kombination mit Erinnerungen oder Plänen - unser Erleben beeinflussen. Der momentane Zustand eines Menschen ist also nicht selten relativ unabhängig vom Hier und Jetzt der konkreten Situation. Der psychische Zustandsraum ist nicht nur gegenwartsbezogen.

Eine wunderbare poetische Darstellung von Subjektivität und Relativität psychischen Erlebens ist William Blake (1700/1986, S. 31) mit den folgenden Zeilen gelungen:
"To see a World in a Grain of Sand
And a Heaven in a Wild Flower,
Hold Infinity in the palm of your hand
And Eternity in an hour."

12. Prinzip: Psychische Unbestimmtheit
Eingeschränkte Voraussehbarkeit psychischen Geschehens

Analog zur Unbestimmtheit in der Mikrowelt der Quanten (vgl. Kap. ) kann menschliches Erleben und Handeln für einem Beobachter von außen, zuweilen auch für die betreffende Person selbst, unbestimmt erscheinen. In gewisser Hinsicht kennzeichnet den Menschen auch eine "bestimmte Unbestimmtheit". So wie ein Quant einen möglichen Weg "erkundet": "Die Unbestimmtheit seiner Aktivität ermöglicht ihm, viele verschiedene Bahnen abzutasten" (Davies und Brown 1993, S. 20), so kann auch das mentale Abtasten verschiedener Handlungsmöglichkeiten durch den Menschen verstanden werden, wobei neben seinem freien Willen noch vielfältige sonstige Einwirkungen relevant sein können. In diesem Zusammenhang steht auch die eingeschränkte Voraussehbarkeit psychischer Prozesse, Zustände und damit verwobener Aktivitäten und Handlungen. (Zum Wechselspiel von Determinismus, Zufall, Ordnung, Chaos, Willensfreiheit und Unvorhersagbarkeit beim Menschen siehe Kap..)

Die Prinzipien psychischen Geschehens: zusammenhängend, gleichermaßen grundlegend und übergeordnet

Die vorgestellten Prinzipien scheinen alle relevant zu sein (vermutlich gibt es noch weitere). Sie erfassen die Mannigfaltigkeit psychischer Prozesse mit einigen elementaren Konzepten bzw. führen sie auf einige Grundsätze zurück. Diese Prinzipien gelten gleichermaßen für alle psychischen Phänomene. Wie bereits am Anfang des Kapitels erwähnt, hängen sie eng zusammen. Dies erweist sich schon daran, daß man sie auch auf andere Weise zu einzelnen Prinzipien zusammenstellen könnte, als ich dies getan habe. Zum Beispiel ist es durchaus möglich von einem Prinzip der Überlagerung, Unschärfe und Unbestimmtheit psychischer Prozesse zu sprechen oder vom Prinzip der internen und externen Interaktivität. Dies verdeutlicht meines Erachtens das ganzheitliche Zusammenwirken der Prinzipien, welches nur aus Gründen der Analyse und übersichtlichen Darstellung in Form von zwölf separaten Grundsätzen konzipiert wurde. Letztlich sind sie wohl untrennbar und "objektiv" ununterscheidbar.

Auf merkwürdige Weise scheinen diese Prinzipien für psychische Prozesse gleichermaßen grundlegend und übergeordnet zu sein. Vielleicht ist es am besten sie als Konstanten im ordentlichen Chaos psychischen Geschehens zu verstehen. Wesentliche Aspekte der vorgestellten Prinzipien lassen sich in einer zusammenfassenden Beschreibung festhalten:
Psychisches Geschehen beruht auf einer unteilbaren, facettenreichen Einheit, dem Menschen. Es ist ganzheitlich, komplex, interaktiv, dynamisch, selbstorganisierend, fließend, vielfältig, wechselhaft, prostructiv, kontextsensitiv, adaptiv, subjektiv-relativ und schwer vorhersagbar.

Das übergeordnete Prinzip der Ganzheitlichkeit und multiplen Verknüpfung psychischen Geschehens (Prinzip des ganzheitlichen Zusammenwirkens)

Neben den zwölf vorgestellten Prinzipien postuliere ich ein übergeordnetes Prinzip (Superprinzip) der Ganzheitlichkeit und multiplen Verknüpfung psychischen Geschehens:
Psychische Vorgänge stellen ein ganzheitliches Geschehen dar (vgl. 1. Prinzip). Es besteht ein vielfältiges Ineinandergreifen der Komponenten des psychischen Systems. Alles hängt mit vielem bzw. allem anderen zusammen (multiple Verknüpfung, Aktivierung und Verarbeitung). Einzelne Komponenten, Mechanismen oder Subsysteme lassen sich nur in analytischer Abstraktion isoliert betrachten; faktisch sind sie eng verwoben und ergeben ein mehr oder weniger kohärentes Ganzes. Man kann dies am besten am Gehirn erkennen (vgl. Kap. ).

Psychische Phänomene bilden ein vielschichtiges Geflecht aus Bewußtem und Unbewußtem, Kognition, Emotion und Motivation, internen und externen Handlungsvollzügen. Subjektive Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind im Individuum miteinander verbunden; ebenso innere und äußere Faktoren. Gemeinsam wirken abwärtsgerichtete und aufwärtsgerichtete, seriale und parallele Verarbeitung zusammen (siehe IPSI-Processing, Kap. ). Auch

Alles ist in ein zusammenhängendes System eingebettet oder anders formuliert: die vielfältigen Verbindungen und Zusammenhänge ergeben eine komplexe, geordnete Einheit, ein integriertes psychisches System (IPS). Hier herrscht ein verborgenes multiples Zusammenwirken vor: Alle Teile des psychischen Systems sind ganzheitlich verknüpft. Die Beziehungen zwischen den Subsystemen festigen die Einheit. Das Ganze emergiert - anders betrachtet - aus den Komponenten. Als kurze Zusammenfassung dieses übergeordneten Prinzips bieten sich die folgenden Worte Heraklits (ca. 500 v. Chr./1989, S. 9) an: "Aus Allem Eins und aus Einem Alles".

Copyright Dr. Reinhard Munzert 2014



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.06.2014 01:28 von Dr. Munzert.
Betreff Autor Angeklickt Datum/Zeit

Wichtig Schach dem Verbrechen! / Schach und Quantenphysik / Vereinheitlichung der Psychologie

Dr. Munzert 5610 14.01.2013 21:20:21

Schach und Quantenphysik

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