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Polizei testet Mikrowellenwaffe gegen Autos (Süddeutsche Zeitung)

27.04.2015 01:35:57
Die Polizei testet verschiedene Anwendungen von Mikrowellen-Waffen und elektromagnetischen Impulsen.
Nebenbei gefragt: Ist das ein Grund, warum die Polizei bei Verbrechen mit Mikrowellen-Waffen tatenlos zusieht oder nicht aufklären und verhindern darf? Und die Verbrechensopfer mundtot gemacht werden sollen? Der Artikel enthält jedenfalls viele Fakten und unbeantwortete Fragen der Behörden:

[www.sueddeutsche.de] , der Artikel findet sich auch in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 25.4.2015 auf Seite 73.
Von Christof Vieweg
"Derzeit beschäftigen sich zwei EU-Forschungsprojekte damit, eine Art Strahlenkanone zu entwickeln, mit der die Polizei verdächtige Fahrzeuge stoppen kann. Von 2016 an sollen erste Prototypen getestet werden. Dabei ist das Vorhaben sehr umstritten - auch bei der Polizei.
Eine süddeutsche Firma bietet eine derartige Technologie bereits an. Sie wird vor allem zu militärischen Zwecken genutzt. ..
Es klingt wie Science-Fiction: Europas Polizeibeamte sollen eine Art Strahlenwaffe erhalten, mit denen sie verdächtige Autos aus der Ferne stoppen können.
Gleich zwei EU-Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dieser Aufgabe. Federführend ist das Programm "Savelec" (Safe control of non cooperative vehicles through electromagnetic means), bei dem Polizeibehörden aus sechs Ländern mit Forschungsinstituten, Elektronikspezialisten und Rüstungskonzernen zusammenarbeiten. Ihr Ziel: Ein starker elektromagnetischer Impuls soll die Elektronik moderner Autos blockieren oder gar zerstören. Außerdem experimentiert man mit "hochenergetischen Mikrowellen", die den gleichen Effekt auf die Motorsteuerung haben sollen. 2016 soll der erste Prototyp kommen
Dafür stehen insgesamt rund 4,28 Millionen Euro zur Verfügung, von denen mehr als 75 Prozent aus den mit Steuergeldern gefüllten Kassen der Europäischen Kommission stammen. Ein anderes, 3,5 Millionen Euro teures EU-Projekt, soll den Strahlenangriff aus der Luft untersuchen. Dazu testet man ferngelenkte Drohnen. Die Technik, so heißt es in dem Savelec-Positionspapier, sei "aus der Medizin bekannt" und werde dort "schon lange, zum Beispiel in der Magnetresonanztomografie eingesetzt". Dass die Reichweite der künftigen Polizeiwaffe mehrere Meter betragen soll und Autofahrer deshalb mit einer weitaus höheren Leistung bestrahlt werden als in der Arztpraxis, verraten die Experten nicht. Schon Mitte 2016 wollen sie einen Prototypen des neuartigen Geräts vorstellen und testen.
Konkretes ist nicht zu erfahren
In Deutschland beteiligen sich Fachleute des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt, der Universität Magdeburg, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Kamp-Lintforter Firma Imst GmbH an Savelec. Laut Bundesregierung besteht "grundsätzlich ein Interesse für die polizeiliche Aufgabenwahrnehmung, entsprechende Systeme zum Anhalten von ,nicht kooperativen Fahrzeugen' zu entwickeln". So steht es in der Antwort der großen Koalition auf eine parlamentarische Anfrage einiger Abgeordneter der Linken-Fraktion im Bundestag.

Doch was mit Savelec genau geplant wird, bleibt unklar. "Der Beitrag des LKA Sachsen-Anhalt liegt in der Beratung bezüglich der Einschätzung einer möglichen Anwendbarkeit in typischen Situationen", verrät LKA-Sprecher Andreas von Koß. Außerdem wolle seine Behörde Studien unterstützen, die sich mit dem Gebrauch elektromagnetischer Strahlung in der Öffentlichkeit beschäftigen. Die Uni Magdeburg will "die Reaktion von Autofahrern oder Rahmenbedingungen wie die Sicherheit von Infrastrukturen" erforschen. Konkretes ist vom Projektmanager nicht zu erfahren.

"Nicht kooperative Fahrzeuge" - damit waren ursprünglich Fluchtwagen von Terroristen und Schwerverbrechern gemeint. Inzwischen sprechen die Savelec-Projektplaner in ihren Positionspapieren auch davon, dass die neue Technologie einen "wichtigen Zusatznutzen" bringe, der die Polizei bei ihren "täglichen Operationen" unterstützen werde.

Strahlenwaffen im täglichen Einsatz? Das geht den Kritikern des EU-Projekts zu weit. 'Wenn überhaupt sollte ein solches Gerät nur gezielt bei wirklich schweren Straftaten und nach richterlichem Beschluss zum Einsatz kommen...'.
Noch "einige ungewollte Nebeneffekte"
Ebenso unklar ist derzeit auch, welche Risiken starke elektromagnetische Impulse oder Hochleistungs-Mikrowellen für die Gesundheit von Auto-Insassen und Passanten am Straßenrand bergen. Der letzte Savelec-Statusreport gibt dazu keine konkreten Antworten, wirft stattdessen aber noch mehr offene Fragen auf. .. Zweifel an der Technik, die mit EU-Geldern entwickelt wird, haben aber nicht nur Juristen und Unfallforscher, sondern vor allem jene Experten, die eines Tages damit arbeiten sollen: die Polizeibeamten. "Brauchen wir das wirklich?", fragt sich Arnold Plickert, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und spricht von "wenigen Anlässen", die den Einsatz eines elektromagnetischen Motorstopp-Systems wirklich rechtfertigen könnten... .Außerdem macht sich der Polizeihauptkommissar aus Bochum Gedanken über den möglichen Missbrauch der neuen Technik. "Wenn so etwas in falsche Hände gerät oder von Hackern kopiert wird, könnten Verbrecher damit nicht nur Polizeiwagen lahmlegen, sondern womöglich noch weitaus größere Schäden anrichten."

Eine deutsche Firma baut die Strahlenwaffe bereits
Doch die Strahlenwaffe ist längst keine Vision mehr. Während die EU-Kommission ein solches Gerät noch aufwendig erforschen lässt, kann man es bei der süddeutschen Firma Diehl Defence bereits kaufen. Es heißt "HPEM Carstop" und besteht im Wesentlichen aus zwei zylinderförmigen Antennen, die im Kofferraum eines Offroaders Platz finden. HPEM steht für High Power Electro Magnetic. Auf Knopfdruck sendet der Apparat einen starken elektromagnetischen Impuls aus, der vorbeifahrende Autos stoppt. Die Strahlung reiche bis zu 15 Meter weit und lasse sich so zielgenau justieren, dass nur die Motorelektronik gestört werde, versichert der Hersteller....
Zu den Käufern des HPEM Carstop zählten bisher offenbar nur Militärs. Ob auch Polizeibehörden an der Strahlenkanone Interesse zeigen, will Diehl nicht verraten. Fachleute des Bundeskriminalamts haben es laut Auskunft der Bundesregierung bisher nur "in Augenschein genommen", aber nicht getestet..."



6 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2015 21:05 von Dr. Munzert.
Betreff Autor Angeklickt Datum/Zeit

Polizei testet Mikrowellenwaffe gegen Autos (Süddeutsche Zeitung)

Dr. Munzert 5097 27.04.2015 01:35:57



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